|
Die Freiburger Sanduhr - Methode
(nach U. Rabenschlag)
Wenn Ihr Kind hartnäckig nach Ihnen verlangt,
statt einzuschlafen, und wie Sie in Drei - Minuten - Schritten innerhalb
weniger Nächte diese hartnäckigste aller Einschlafstörungen
beheben können
Wichtige Vorbemerkungen
- Ihr Kind sollte mindestens 12 Monate alt, auf
jeden Fall aber körperlich und seelisch gesund sein. Ist
es krank, hat es auch tagsüber starke Trennungs-probleme
oder gar ernsthafte Schlafstörungen, sollten Sie erst einmal
Ihren Kinderarzt konsultieren und ihn fragen, ob er die Anwendung
dieser Methode für Ihr Kind und zu diesem Zeitpunkt für
ratsam hält.
- Sie selber und Ihr Partner sollten sich erst
einmal in Ruhe - also nicht in den kritischen Abendstunden - einigen,
dass Sie beide die Methode auch durch-halten wollen. Die meisten
Eltern, die sich bereits seit Wochen mit den Ein oder den Durchschlafproblemen
ihres Kindes herumquälen, schwanken (meist abwechselnd!)
zwischen zwei Gefühlsausbrüchen: "Man kann das
Kind doch nicht alleine lassen, wenn es in seinem Bettchen weint!"
und dem anderen: "Ich kann nicht mehr, ich lasse es jetzt
einfach schreien!" Die Folge ist, dass die Eltern in unregelmäßigen
Abständen dann doch zu ihrem Kind hinlaufen, es hochnehmen,
schimpfen oder ihm etwas zu trinken geben. An-schließend
folgen erregte Auseinandersetzungen zwischen den Eltern, ein zerstörter
Abend und Einschlafprobleme der Eltern selber. Manche Kinder werden
in den Augen der Eltern dadurch auch tagsüber zu "Monstern",
die nur auf den Abend warten, um wieder einmal ihre Eltern zu
quälen. Darüber können Eltern sehr leicht übersehen,
dass sie eigentlich die Stärkeren sind im "Machtkampf"
mit ihrem Kind. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen,
dass aus solchen aufgeheizten Situationen Misshandlungen entstehen
können. Das gilt besonders für solche Eltern, deren
eigene Eltern auch sie einmal als solche "Monster" verkannt
haben. Doch es gibt eine Me-thode, nach der Sie ihrem Kind und
sich selber innerhalb von drei bis längs-tens drei mal drei
Tagen helfen können, sich wieder auf die Abende und Nächte
zu freuen.
- Die hier dargestellte Orientierungsregel ("Freiburger
Sanduhr Methode") stellt eine Modifikation der von dem amerikanischen
Kinderarzt und Schlafforscher Richard Ferber (Boston) vor über
zehn Jahren entwickelten "checking up" Methode dar,
deren Erfolg inzwischen als wissenschaftlich erwie-sen gilt und
die keine seelische Überforderung für Kinder jenseits
des zwölf-ten Lebensmonats darstellt. Andere Schlafforscher
empfehlen Dr. Ferbers Methode bereits ab dem 6. Lebensmonat und
dehnen die Wartezeit bis auf dreißig Minuten aus. Dies stellt
nach unserer Erfahrung eine unnötige und für Eltern
wie Kinder zu belastende Variante dar, die wir nicht empfehlen
können!
Durchführung
Erster Tag:
Halten Sie sich ganz genau an die Fütterungszeiten, die Zeitpunkte
für die Tagesschläfchen, die Spaziergänge überhaupt
an alles, was sich am Tagesrhythmus Ihres Kindes orientieren sollte.
"Genießen" Sie noch einmal die Erfahrung eines zerstörten
Abends, indem Sie daran denken, dass ab morgen endlich eine Wende
eintreten wird. Merken Sie sich, wie oft Sie heute zu Ihrem Kind
gelaufen sind und wann es endlich eingeschlafen ist.
Erste Nacht:
Legen Sie Ihr Kind nach einem Einschlafritual, das nicht länger
als dreißig Minuten dauern sollte, ins Bett, sagen Sie ihm
mit Bestimmtheit, dass es nun einschlafen wird. Es braucht kein
Fläschchen und keinen Schnuller. Verdunkeln Sie das Zimmer,
ein schwaches Licht sollte aber noch anbleiben. Gehen Sie aus dem
Zimmer, und reagieren Sie nicht mehr auf ihr eventuell noch schreiendes
Kind. Nehmen Sie eine Drei Minuten Sanduhr zur Hand. Das kann eine
Teeuhr oder eine Eieruhr, sollte aber keine tickende oder gar klingelnde
Küchenuhr sein. Stellen Sie die Sanduhr vor sich auf den Tisch
im Wohnzimmer, und versuchen Sie, sich zu entspannen. Wenn Ihr Kind
nun weiterhin ruft, gehen Sie nach drei Minuten zu ihm hin, leise
und langsam. Streicheln Sie es, und reden Sie ganz leise und beruhigend
mit ihm.
Die (umgedrehte) Sanduhr haben Sie inzwischen auf dem Stuhl vor
dem Bettchen abgestellt. Nach drei Minuten (wenn Ihr Kind sich sehr
heftig in sein erregtes Schreien hineinsteigert, auch nach kürzerer
Zeit) verlassen Sie wieder wie beim ersten Mal das Zimmer. Wieder
setzen Sie sich auf Ihre Wohnzimmercouch und warten erneut, bis
drei Minuten vergangen sind. Und nun gehen Sie ein zweites Mal ins
Kinderzimmer, stellen ihre (umgekehrte) Sanduhr auf und wiederholen
Ihr beruhigendes Ritual. Nach drei Minuten sagt Ihnen die abgelaufene
Sanduhr, dass Sie spätestens jetzt wieder zu gehen haben. Wenn
Sie sich nun in Ihrem Wohnzimmer zu entspannen versuchen (was bei
einem schreienden Kind für eine Mutter sicher nicht einfach
ist!), dann nehmen sie sich 6 Minuten Zeit, lassen die Sanduhr also
zweimal durchlaufen, bis Sie wieder zu Ihrem immer noch rufenden
Kind gehen. Auch diesmal bleiben Sie nicht länger als drei
Minuten an seinem Bettchen. Inzwischen sind gut zwanzig Minuten
vergangen, und es kann sein, dass Ihr Kind immer noch nicht alleine
einschlafen mag. Nun wiederholen sie die ganze Prozedur mit Ihrer
sechs Minuten dauernden Entspannung im Wohnzimmer und den drei Minuten
am Bettchen ihres Kindes so lange, bis Ihr Kind schließlich
(meist vor Erschöpfung) eingeschlafen ist.
Zweite Nacht:
Inzwischen haben Sie die Methode gelernt. Alles, was sich jetzt
ändert, sind ihre Entspannungszeiten im Wohnzimmer und damit
die Wartezeiten für Ihr Kind. Die Zeit am Kinderbettchen bleibt
immer gleich, bei höchstens drei Minuten bzw. einer Sanduhr
Zeit. Das erste Mal warten Sie drei Minuten, das zweite und dritte
Mal sechs und ab dem vierten Mal neun Minuten.
Dritte bis fünfte Nacht:
Viele Eltern berichten, dass sie bereits nach zwei Nächten
nur noch ein bis zweimal überhaupt zum Bettchen ihres Kindes
haben gehen müssen. Wenn Ihre Erfahrung nicht so ist, dann
wenden Sie jetzt etwas verlängerte Wartezeiten an. Beim ersten
Mal 3, beim zweiten Mal 6 und ab dem dritten Mal jeweils 9 Minuten,
bis Sie zu Ihrem rufenden Kind gehen. Die Zeit am Bettchen mit dem
ruhigen Streicheln und Zureden bleibt die gleiche, nämlich
3 Minuten.
Ab der sechsten Nacht:
Über neunzig Prozent der Eltern in einer Kinderschlafambulanz
berichten, dass sie nach einer knappen Woche "es überstanden"
haben. Damit der Erfolg aber beständig wird, ändern Sie
jetzt die Dauer Ihrer ersten Verschnaufpause im Wohnzimmer auf sechs
Minuten, beim zweiten Mal warten Sie 6 und bei allen folgenden Malen
9 Minuten.
Ab der neunten Nacht:
Sollten Sie und Ihr Kind bis dahin noch keinen
sicheren Erfolg erlebt haben, dann entscheiden Sie zwischen zwei
Möglichkeiten: Entweder, Sie geben sich und Ihrem Kind eine
Lernpause von einer Woche, in der Sie lediglich die Belastung der
ersten Nacht (3 3 6 6 Minuten Wartezeit) durchführen und dann
wieder mit dem Schema der ersten Nacht beginnen. Oder aber Sie gehen
von jetzt an stets nach einer Wartezeit von 9 Minuten zu Ihrem Kind
und führen die Methode so lange fort, bis Ihr Kind abends alleine
einschlafen und nachts wieder einschlafen kann. Die Wartezeiten
dehnen Sie also regelmäßig auf drei Sanduhrzeiten oder
neun Minuten aus. Auch jetzt halten Sie sich daran, dass Sie jedes
Mal nicht länger als drei Minuten bei Ihrem Kind im Zimmer
bleiben. Lernpausen sind immer dann vorzuziehen, wenn Sie die Methode
emotional zu anstrengend finden oder aber, wenn Ihr Kind körperlich
nicht ganz gesund ist. Denken Sie immer daran, dass diese Methode
ihrem Kind und Ihnen Erleichterung bringen soll auf eine Weise,
wie sie Ihrem Kind zuträglich ist, und dass es nicht um die
Erzwingung eines Erziehungserfolgs geht!
|