Dorothea Steigerwald Replik
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Die Freiburger Sanduhr - Methode
(nach U. Rabenschlag)

Wenn Ihr Kind hartnäckig nach Ihnen verlangt, statt einzuschlafen, und wie Sie in Drei - Minuten - Schritten innerhalb weniger Nächte diese hartnäckigste aller Einschlafstörungen beheben können

Wichtige Vorbemerkungen

  • Ihr Kind sollte mindestens 12 Monate alt, auf jeden Fall aber körperlich und seelisch gesund sein. Ist es krank, hat es auch tagsüber starke Trennungs-probleme oder gar ernsthafte Schlafstörungen, sollten Sie erst einmal Ihren Kinderarzt konsultieren und ihn fragen, ob er die Anwendung dieser Methode für Ihr Kind und zu diesem Zeitpunkt für ratsam hält.

  • Sie selber und Ihr Partner sollten sich erst einmal in Ruhe - also nicht in den kritischen Abendstunden - einigen, dass Sie beide die Methode auch durch-halten wollen. Die meisten Eltern, die sich bereits seit Wochen mit den Ein oder den Durchschlafproblemen ihres Kindes herumquälen, schwanken (meist abwechselnd!) zwischen zwei Gefühlsausbrüchen: "Man kann das Kind doch nicht alleine lassen, wenn es in seinem Bettchen weint!" und dem anderen: "Ich kann nicht mehr, ich lasse es jetzt einfach schreien!" Die Folge ist, dass die Eltern in unregelmäßigen Abständen dann doch zu ihrem Kind hinlaufen, es hochnehmen, schimpfen oder ihm etwas zu trinken geben. An-schließend folgen erregte Auseinandersetzungen zwischen den Eltern, ein zerstörter Abend und Einschlafprobleme der Eltern selber. Manche Kinder werden in den Augen der Eltern dadurch auch tagsüber zu "Monstern", die nur auf den Abend warten, um wieder einmal ihre Eltern zu quälen. Darüber können Eltern sehr leicht übersehen, dass sie eigentlich die Stärkeren sind im "Machtkampf" mit ihrem Kind. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass aus solchen aufgeheizten Situationen Misshandlungen entstehen können. Das gilt besonders für solche Eltern, deren eigene Eltern auch sie einmal als solche "Monster" verkannt haben. Doch es gibt eine Me-thode, nach der Sie ihrem Kind und sich selber innerhalb von drei bis längs-tens drei mal drei Tagen helfen können, sich wieder auf die Abende und Nächte zu freuen.

  • Die hier dargestellte Orientierungsregel ("Freiburger Sanduhr Methode") stellt eine Modifikation der von dem amerikanischen Kinderarzt und Schlafforscher Richard Ferber (Boston) vor über zehn Jahren entwickelten "checking up" Methode dar, deren Erfolg inzwischen als wissenschaftlich erwie-sen gilt und die keine seelische Überforderung für Kinder jenseits des zwölf-ten Lebensmonats darstellt. Andere Schlafforscher empfehlen Dr. Ferbers Methode bereits ab dem 6. Lebensmonat und dehnen die Wartezeit bis auf dreißig Minuten aus. Dies stellt nach unserer Erfahrung eine unnötige und für Eltern wie Kinder zu belastende Variante dar, die wir nicht empfehlen können!

Durchführung

Erster Tag:
Halten Sie sich ganz genau an die Fütterungszeiten, die Zeitpunkte für die Tagesschläfchen, die Spaziergänge überhaupt an alles, was sich am Tagesrhythmus Ihres Kindes orientieren sollte. "Genießen" Sie noch einmal die Erfahrung eines zerstörten Abends, indem Sie daran denken, dass ab morgen endlich eine Wende eintreten wird. Merken Sie sich, wie oft Sie heute zu Ihrem Kind gelaufen sind und wann es endlich eingeschlafen ist.

Erste Nacht:
Legen Sie Ihr Kind nach einem Einschlafritual, das nicht länger als dreißig Minuten dauern sollte, ins Bett, sagen Sie ihm mit Bestimmtheit, dass es nun einschlafen wird. Es braucht kein Fläschchen und keinen Schnuller. Verdunkeln Sie das Zimmer, ein schwaches Licht sollte aber noch anbleiben. Gehen Sie aus dem Zimmer, und reagieren Sie nicht mehr auf ihr eventuell noch schreiendes Kind. Nehmen Sie eine Drei Minuten Sanduhr zur Hand. Das kann eine Teeuhr oder eine Eieruhr, sollte aber keine tickende oder gar klingelnde Küchenuhr sein. Stellen Sie die Sanduhr vor sich auf den Tisch im Wohnzimmer, und versuchen Sie, sich zu entspannen. Wenn Ihr Kind nun weiterhin ruft, gehen Sie nach drei Minuten zu ihm hin, leise und langsam. Streicheln Sie es, und reden Sie ganz leise und beruhigend mit ihm.
Die (umgedrehte) Sanduhr haben Sie inzwischen auf dem Stuhl vor dem Bettchen abgestellt. Nach drei Minuten (wenn Ihr Kind sich sehr heftig in sein erregtes Schreien hineinsteigert, auch nach kürzerer Zeit) verlassen Sie wieder wie beim ersten Mal das Zimmer. Wieder setzen Sie sich auf Ihre Wohnzimmercouch und warten erneut, bis drei Minuten vergangen sind. Und nun gehen Sie ein zweites Mal ins Kinderzimmer, stellen ihre (umgekehrte) Sanduhr auf und wiederholen Ihr beruhigendes Ritual. Nach drei Minuten sagt Ihnen die abgelaufene Sanduhr, dass Sie spätestens jetzt wieder zu gehen haben. Wenn Sie sich nun in Ihrem Wohnzimmer zu entspannen versuchen (was bei einem schreienden Kind für eine Mutter sicher nicht einfach ist!), dann nehmen sie sich 6 Minuten Zeit, lassen die Sanduhr also zweimal durchlaufen, bis Sie wieder zu Ihrem immer noch rufenden Kind gehen. Auch diesmal bleiben Sie nicht länger als drei Minuten an seinem Bettchen. Inzwischen sind gut zwanzig Minuten vergangen, und es kann sein, dass Ihr Kind immer noch nicht alleine einschlafen mag. Nun wiederholen sie die ganze Prozedur mit Ihrer sechs Minuten dauernden Entspannung im Wohnzimmer und den drei Minuten am Bettchen ihres Kindes so lange, bis Ihr Kind schließlich (meist vor Erschöpfung) eingeschlafen ist.

Zweite Nacht:
Inzwischen haben Sie die Methode gelernt. Alles, was sich jetzt ändert, sind ihre Entspannungszeiten im Wohnzimmer und damit die Wartezeiten für Ihr Kind. Die Zeit am Kinderbettchen bleibt immer gleich, bei höchstens drei Minuten bzw. einer Sanduhr Zeit. Das erste Mal warten Sie drei Minuten, das zweite und dritte Mal sechs und ab dem vierten Mal neun Minuten.

Dritte bis fünfte Nacht:
Viele Eltern berichten, dass sie bereits nach zwei Nächten nur noch ein bis zweimal überhaupt zum Bettchen ihres Kindes haben gehen müssen. Wenn Ihre Erfahrung nicht so ist, dann wenden Sie jetzt etwas verlängerte Wartezeiten an. Beim ersten Mal 3, beim zweiten Mal 6 und ab dem dritten Mal jeweils 9 Minuten, bis Sie zu Ihrem rufenden Kind gehen. Die Zeit am Bettchen mit dem ruhigen Streicheln und Zureden bleibt die gleiche, nämlich 3 Minuten.

Ab der sechsten Nacht:
Über neunzig Prozent der Eltern in einer Kinderschlafambulanz berichten, dass sie nach einer knappen Woche "es überstanden" haben. Damit der Erfolg aber beständig wird, ändern Sie jetzt die Dauer Ihrer ersten Verschnaufpause im Wohnzimmer auf sechs Minuten, beim zweiten Mal warten Sie 6 und bei allen folgenden Malen 9 Minuten.

Ab der neunten Nacht:
Sollten Sie und Ihr Kind bis dahin noch keinen sicheren Erfolg erlebt haben, dann entscheiden Sie zwischen zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie geben sich und Ihrem Kind eine Lernpause von einer Woche, in der Sie lediglich die Belastung der ersten Nacht (3 3 6 6 Minuten Wartezeit) durchführen und dann wieder mit dem Schema der ersten Nacht beginnen. Oder aber Sie gehen von jetzt an stets nach einer Wartezeit von 9 Minuten zu Ihrem Kind und führen die Methode so lange fort, bis Ihr Kind abends alleine einschlafen und nachts wieder einschlafen kann. Die Wartezeiten dehnen Sie also regelmäßig auf drei Sanduhrzeiten oder neun Minuten aus. Auch jetzt halten Sie sich daran, dass Sie jedes Mal nicht länger als drei Minuten bei Ihrem Kind im Zimmer bleiben. Lernpausen sind immer dann vorzuziehen, wenn Sie die Methode emotional zu anstrengend finden oder aber, wenn Ihr Kind körperlich nicht ganz gesund ist. Denken Sie immer daran, dass diese Methode ihrem Kind und Ihnen Erleichterung bringen soll auf eine Weise, wie sie Ihrem Kind zuträglich ist, und dass es nicht um die Erzwingung eines Erziehungserfolgs geht!